"Will  alles haben, alles geben"

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Wolf Biermann & Pamela Biermann und das Neue ZentralQuartett

"...paar eckige Runden drehn!" - Biermann meets Jazz

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Pressetext für Lesungen zur Autobiographie

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Kritik Stuttgarter Zeitung zu " Demokratie feierne!- Demokratisch wählen!"

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Mainz Allgemeine Zeitung: Zum Konzert "Demokratie feiern - Demokratisch wählen!" 2017

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Pressestimmen zu Wolf Biermann & Pamela Biermann

Auszüge

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Der doppelte Biermann

Kritik zur CD " Ach, die erste Liebe...."

WELT AM SONNTAG 27.10.2013

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HAMBURGER ABENDBLATT / Konzert Thalia Theater

15.11.13, 06:06
Verliebt, verlobt, verheiratet, vertont
Das singende Ehepaar Wolf und Pamela Biermann begeistert im Thalia Theater mit Chansons und Liebesliedern aus aller Welt

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Von der Liebe in Zeiten des Krieges

Das Sänger- und Ehepaar Wolf und Pamela Biermann begeistern im Stadttheater Konstanz mit Liedern aus aller Welt

SÜDKURIER 4.11.2013

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Biermann Songs über die Liebe

Wolf Biermann und Pamela Biermann im Konzert

Ludwigsburger Kreiszeitung

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SWR2: Pamela und Wolf Biermann Konzert

SWR2 Cluster 

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Wolf Biermann und Pamela Biermann

Konzert

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Pamela Biermann VITA

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Wolf Biermann & Pamela Biermann und das Neue ZentralQuartett

"...paar eckige Runden drehn!" - Biermann meets Jazz

 

 

 

"Jazz is freedom" – dies wahre Wort prägte einer der kreativsten Meister seiner Musik, Thelonious Monk. Jazz war immer auch politisch, sein freies Spiel lieferte so manchen "Soundtrack" in sozialen Konflikten. „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“ – wurde ein geflügeltes Wort von Wolf Biermann, und in diesem Sinne erfüllt dieses Konzert sowohl die Erwartungen von Biermann-Fans, wie die der Jazz-Liebhaber. Wolf Biermann, gemeinsam mit seiner Frau, der Sängerin Pamela Biermann, und das NEUE ZENTRALQUARTETT lassen die „Best of Biermann“-Lieder in einem völlig neuen Sound erklingen. Klassiker wie die "Ermutigung" oder „Und als wir an Ufer kamen“ stehen neben den wild- experimentellen Schlagzeugsoli Baby Sommers, innige Duette von Wolf Biermann und Pamela Biermann zur Gitarre treffen auf die knallenden Bläsersätze von Thewes und Walsdorff und dem virtuosen Spiel Uli Gumperts. Das "Donnernde Leben" wie der Liederdichter einst schrieb. Wolf Biermann und Pamela Biermann drehen mit dem NEUEN ZENTRALQUARTETT ".... paar eckige Runden“ - unangepasst, frei und lebendig, so wie ihre gemeinsame Musik.


Das NEUE ZENTRALQUARTETT
Das ZENTRALQUARTETT gründete sich Anfang der 70 Jahre in der DDR und setzte im seinerzeit aufkommenden Free Jazz neue Maßstäbe in Europa. Die Rebellion zur Freiheit, die Wolf Biermann in seinen Liedern lebte, transportierten die Musiker über ihre Improvisationen und Kompositionen: "Spontanes und Strukturiertes, Hymnisches und Elegisches, Ausbruch und Aufbruch.“ (MDR Figaro). In der Band spielen die „Europeen Jazzlegend“ Günter Baby Sommer (dr) und Ulrich Gumpert (pi) –Freunde Biermanns schon seit den Jahren in der totalitären DDR. Die beiden jüngeren Kollegen Christof Thewes (tb) und Henrik Walsdorff (as) ergänzen die Band zum NEUEN ZENTRALQUARTETT.

 

PAMELA BIERMANN
geboren 1963 in Hamburg, ist die weibliche, starke Stimme als Kontrapunkt zu der Männermusik dieses Konzerts. Als Sängerin trat sie erst¬mals 2012 im Berliner Ensemble in die Öffentlichkeit. Zusammen mit Wolf Bier¬mann folgten zahlreiche Konzerte in Deutschland, der Schweiz und Öster¬reich.
CD¬ Veröffentlichungen: Ach, die erste Liebe (2013) das sind Chansons und Lieder aus mancher Welt, ins Deutsche gebracht von Wolf Biermann. SWR: “Die Kraft von Musik, von Wort und Dichtung und die Kraft der theatralischen Gestaltung finden zusammen. Bravo! Wolf und Pamela Biermann haben das Ideal des gemeinsamen Singens, jenseits des Kunstliedes, sehr schön, ja idealtypisch eingelöst“ ( B. Egdorf SWR Cluster)

 

WOLF BIERMANN
1936 in Hamburg geboren. Der Vater, Kommunist und Jude, wurde 1943 in Auschwitz ermordet.1953 übersiedelte Biermann in die DDR. Erste Lieder und Gedichte seit 1960.
Seit November 1965 totales Auftritts- und Publikationsverbot. Wolf Biermann wurde der radikalste Kritiker gegen die Parteidiktatur der DDR. 1976 wurde Wolf Biermann - gegen alle Rechtsnormen - ausgebürgert. Seitdem gibt er Konzerte in vielen Ländern der Welt und ist bekannt durch seine scharfzüngigen Essays, mit denen er sich provokant in die Tagespolitik einmischt. Biermann wurde mit allen großen deutschen Literaturpreisen ausgezeichnet. Seine Gedichtbände sind unter den meistverkauften der deutschen Nachkriegsliteratur.
In Zusammenarbeit mit RBB Kulturradio sangen Pamela Biermann und Wolf Biermann mit dem ZENTRALQUARTETT die CD "… paar eckige Runden drehn!" (2016) ein, auf der zum ersten Mal Biermanns Lieder mit dem Jazz zusammen kamen.

 

Pressetext für Lesungen zur Autobiographie

 

Warte nicht auf bessre Zeiten!

Wolf Biermanns Autobiographie

Selten sind persönliches Schicksal und deutsche Geschichte so eng verwoben wie bei Wolf Biermann. Ein Leben zwischen West und Ost, ein Widerspruchsgeist zwischen allen Fronten. Mit sechzehn ging er in die DDR, die er für das bessere Deutschland hielt. Hanns Eisler ermutigte ihn, Lieder zu schreiben, bei Helene Weigel assistierte er am Berliner Ensemble. Dann fiel er in Ungnade, erhielt Auftritts- und Publikationsverbot. Die Stasi observierte ihn rund um die Uhr, während er im Westen gefeiert und geehrt wurde. Die Proteste gegen seine Ausbürgerung 1976 gelten als Anfang vom Ende der DDR.

Eindringlich erzählt Biermann vom Vater, der als Jude und Kommunist in Auschwitz ermordet wurde, von der Mutter, die ihn aus dem Hamburger Bombeninferno rettete, vom väterlichen Freund Robert Havemann, mit dem er das Los des Geächteten teilte. Er führt uns in die absurde Welt der DDR-Diktatur mit ihren Auswüchsen, aber auch ihren täglichen Dramen menschlicher Widerständigkeit. Und er erzählt von seinen in den Westen geschmuggelten, im Osten heimlich kursierenden Liedern, deren »Verskunst, robuste Rhetorik und gewaltige Sprachkraft« Marcel Reich-Ranicki lobte. Bei aller Heftigkeit des Erlebten lesen sich Biermanns Erinnerungen wie ein Schelmenroman in bester schweijkscher Manier. Ein einzigartiges Zeitzeugnis.

Kritik Stuttgarter Zeitung zu " Demokratie feierne!- Demokratisch wählen!"

 


Im Stuttgarter Theaterhaus gastieren Wolf und Pamela Biermann mit dem ZentralQuartett. Wer Nostalgie erwartet hatte, sah sich getäuscht. Aktueller kann Demokratiefeier nicht sein. Ein in ziemlich jeder Hinsicht großer Abend.

 

Stuttgart 5. September 2017 - Achtzig Jahre hat der Liedermacher und Poet Wolf Biermann in Kopf und Beinen. Aber er kann allemal noch scharf denken, stampfen, singen, das Leben feiern und, wo nötig, den Widerstand gegen die (politischen) Daseinsverderber stärken. Das alles passiert im Stuttgarter Theaterhaus musikalisch an der Seite der Sängerin und Ehefrau Pamela Biermann und mit massiv-subtiler Unterstützung durch das ZentralQuartett rund um den Schlagzeuger Günter Baby Sommer. Und es passiert in gewissermaßen zwei Akten, denn vor das eigentliche Konzert hat Biermann ein Gespräch (in der Tat dann eher einen Monolog) mit Schülern anberaumt, denen er, aus Erfahrung klug, „Demokratisch wählen!“ empfiehlt.
Auf der Bühne rückt das Didaktische ein wenig in den Hintergrund, wenn sich, angefangen von Brecht/Eislers „Am Grund der Moldau“, viel mehr breitmacht als ungefähre, nicht gefährdende linke Nostalgiemelancholie. Dafür ist Biermann zu schlau. Und zu sehr Dialektiker. Und zu sehr Musikant. In lauter neuen, frisch gewandeten, aber nie verkleideten Arrangements entpuppen sich die alten Wahrheiten („In China hinter der Mauer“, „Soldat, Soldat“, „Ermutigung“) als, einerseits, immer noch Leitlinien für ein Leben im (relativ) aufrechten Gang. Auf der anderen Seite sind „Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht“ oder „Wer sich nicht in Gefahr begibt“, also das Reiner-Kunze-Lied, Klassiker, die nie historisch werden können. Dafür haben sie zu viel Gehalt und sind zu sehr ewiges Liedgut. Großer Abend, große Musiker. Man müsste ihnen auf ihrer Tournee hinterher fahren können, um noch ein paar eckige Runden zu drehen. Ausführliche Kritik folgt.

Mainz Allgemeine Zeitung: Zum Konzert "Demokratie feiern - Demokratisch wählen!" 2017

 

Wolf Biermann in Mainz: Protestsänger noch immer stimmgewaltig und diskussionsfreudig / Im Duo-Gesang mit Ehefrau Pamela Biermann

 

Von Alfred Balz

MAINZ - September 2017

 (....) Das Konzert brachte die bekanntesten Biermann-Lieder im zupackenden Arrangement des Zentralquartetts (subversives Wortspiel: statt Zentralkomitee) mit reichlich Freiraum für Solisten und eigene Stücke aus dem kitschfreien Volksliedzyklus „Aus teutschen Landen“ auf die Bühne.

Das 1973 von Pianist Ulrich Gumpert und „Baby“ Sommer gegründete Free-Jazz-Kollektiv spielt mit den „jungen Westzugängen“ Christof Thewes (Posaune) und Henrik Walsdorff (Saxofon). Während Brechts „Am Grunde der Moldau“ den immer noch starken Gitarristen und stimmgewaltigen Biermann mit zartem, sich reibenden Chorgesang Pamelas zeigte, wurden die beiden im weiteren Verlauf kompetent (und unberechenbar) vom Zentralquartett begleitet. Die luftigen Arrangements sind mal im Gestus Hans Eislers, als Blues oder New Orleans-Jazz oder bei „Soldat, Soldat“ gar als kriegerischer Marsch mit Freejazz-Kampfgetöse arrangiert. Während das „Barlach-Lied“ als flotter Shuffle daherkommt und „Wer sich nicht in Gefahr begibt“ an die Dreigroschenoper erinnert, kommt das beklemmende „In China hinter der Mauer“ als mehrstimmiger Posaunen-Bordun mit schrillen Free-Jazz-Spitzen daher.

Biermanns Texte behandeln in Gleichnissen oder Klageliedern Krieg und Frieden, Macht und Ohnmacht sowie den Mut Einzelner. Durch Trommelwirbel und instrumentale Ausbrüche gewinnen die Stücke an Fahrt und Dynamik, ohne dass die Tonalität des Songs dabei verloren geht.

Dem Publikum gefällt dieser neue Biermann, der selbst im fortgeschrittenen Alter hellwach und experimentierfreudig bleibt.

 


DIE WELT
KULTUR WOLF BIERMANN
"Was findet ihr nur so genial an mir?"
VON UWE SCHMITT
09.11.14
Der Liedermacher Wolf Biermann mit seiner Ehefrau Pamela im Berliner Ensemble

Kurz nach seinem jetzt schon legendären Auftritt im Bundestag feierte Wolf Biermann den Mauerfall noch einmal. Diesmal im Berliner Ensemble und mit legendären DDR-Jazzern. Angela Merkel hörte zu.
Der Abend war lau für November, die Menschen strömten herzenserwärmt entlang der bald himmelhoch aufsteigenden Mauer aus leuchtender Luft, als Claus Peymann sein Theater zum immanenten Staatsfeind ausrief. Und somit ganz untauglich für Staatsakte. Der widerständige Hinweis war dem Intendanten des Berliner Ensembles wichtig, als er protokollgerecht und charmant ungern den Bundestagspräsidenten vor "der Dame", der Kanzlerin, begrüßte. Widerständler gab es viele und manchen Drachentöter, auf der Bühne und im Parkett. Bürgerrechtler, die noblen, nicht die anderen, von denen es wimmelt am Ende jeder Diktatur. So hatte Biermann unter Gelächter gespottet: "Wenige waren wir, und viele sind übrig geblieben."
Deutscher Widerstand darf sich feiern. Auf einen Tipp von Rolf Hochhuth an Peymann gesellte der noch Georg Elser hinzu, der am 8. November 1939 im Bürgerbräukeller um eine Viertelstunde daran scheiterte, Hitler zu erlegen. Elser, der kurz vor Kriegsende in Dachau starb, bekam Applaus. Dann dankte der Intendant Norbert Lammert dafür, tags zuvor "etwas Geist in Ihr Hohes Haus gebracht zu haben", als er Wolf Biermann singen und die Linke beschimpfen ließ. Es war nur das erste Lob für Biermann, der so etwas mühelos wegsteckt und gern noch eigenes anfügt. Angela Merkel war gekommen, "einen der größten Dichter und Liedermacher unserer Zeit" zu rühmen, einst belohnt in bewährter DDR-Tradition mit vollständigem Berufsverbot. Stete Tropfen hätten die Mauersteine ausgehöhlt, sagte die Kanzlerin und verbrüderte Biermann mit Heinrich Heine. Der Wolf ließ sich das gefallen und übernahm die Regie des Rests der Feier.
Erstklassige Künstler unter der Knute drittklassiger Spießer, auch das war die DDR.


Wenn Biermann Deutschlands Dylan im Geiste Heines ist, dann verwebt das Zentralquartett Ornette Coleman mit Eisler und Volksliedgut. Conny Bauer (Posaune), Uli Gumpert (Klavier), Günter Baby Sommer (Schlagzeug aller Art), Ernst Luten Petrowsky (Saxofon) eröffneten Anfang der Siebzigerjahre in ihrem Zentralquartett ihrem Publikum freie Räume und verlachten wortlos die Mächtigen. "Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht" und "Der alte Thüringer" waren ihre Materialausgabe für reiflichen Zerstörungsmut. Erstklassige Künstler, so hatte Peymann gesagt, unter der Knute drittklassiger Spießer, auch das war die DDR. Die ist tot, ihre Künstler alt geworden. Petrowsky wirkt fragil und geht am Stock. Sein Altsaxofon jubelt und sprudelt kraftspendend wie je. Und "Baby Dodds" Sommer, der sich mit ausholender Schlagtechnik selbst dirigiert und persifliert, ist wie damals dicht an Biermanns schalkhaftem Entertainertum.
Die Zusammenführung von Balladen mit Avantgarde-Jazz hätte geschmäcklerisch und dumm ausgehen können. Biermann hatte recht, als er nach dem herrlichen Konzert dem ZDF gestand, dass er und die alten Zentralquartettler es sportlich genommen hätten und bereit waren, auf die Schnauze zu fallen. Nur Idioten, jedenfalls keine Künstler, rechneten stets mit dem Erfolg. Na ja, ein solches Wagnis war es nun auch nicht. Biermann hätte auf der Bühne Kartoffeln schälen, Zeitung lesen oder Kalauer aus seiner Zeit als Regieassistent im Berliner Ensemble 1957 zum Besten geben können, die Leute waren gekommen, sich ihm zu Füßen zu legen. Da wollten sie hin, da lag sich's bequem. Und an diesem Abend hatte er die warmen Füße redlich verdient. Das Zentralquartett, gewöhnlich nicht verwöhnt mit Heldenverehrung, nahm die Huldigungen, die ihnen nicht minder galten, freundlich verwundert entgegen. Der Stern Biermanns strahlte ab.

Eine Jazz-Legende der DDR – die Musiker des Zentralquartetts: Uli Gumpert, Günter Baby Sommer,


Siebenundsiebzig ist der Alte und bei Stimme wie immer. Will sagen, dass er keine Sängerstimme hat, sondern eine fürs Deklamieren und Knurren, Brüllen und höhnisch Sich-ins-gesungene-Wort-Lachen, das kann er wie kein zweiter Liedermacher deutscher Zunge. Seine Texte reichten schon früh Bertolt Brecht das Wasser. Leider weiß er das schon zu lange zu gut. Wenn Biermann Verwunderung mimt angesichts der Liebkosungen des Publikums oder auch, mit vor den Mund geschlagener Hand, vor den freien Kräftespielen des Quartetts, wenn er die Linke über die Augen krümmt, um das Scheinwerferlicht abzuwehren, und in die Runde schaut, als wollte er sagen "Was findet ihr nur so verdammt genial an mir?", wenn er chaplinesk Verblüffung spielt über die Ehre – kurz, wenn Wolf Biermann gespreizt den uneitlen Kerl mimt, ist er schwer zu ertragen. War immer so und wird nicht anders. Nur ist er zu gut, um es ihm lange zu verargen.
Seine Kunst ist größer als der Mann. "Kleines Lied von den bleibenden Werten" (aus: Deutschland. Ein Wintermärchen) trug er im Wechsel mit seiner Frau Pamela vor, die mit ihrem eislerisch schneidenden Broadway-Organ ihren Wolf an die Wand singt, dass es eine Lust ist. Das floss den Abend über immer wieder in guter Reibung zusammen, der raunzende Barde und seine glockenhelle Interpretin. Erst Biermann allein, dann drei Stücke des Zentralquartetts allein. Endlich die Vereinigung von Free mit freiem Geist, mal an der Melodie entlang, mal sie sprengend nach allen Regeln ihrer Kunst. Das Zentralquartett war schon zu DDR-Zeiten unangreifbar gut, weil es über sich und seine Experimente lachte. Obrigkeit und "Untrigkeit" verlachen, wie es biermannsch heißt. Das konnten damals im freien Jazz nur noch die Holländer. Die westdeutsche Spielart, musikalisch nicht schwächer, war so frei, zu einem eigentümlichen Bierernst zu neigen. Nur in einer Demokratie kann man sich das leisten.
Biermann hätte auf der Bühne auch Kartoffeln schälen, Zeitung lesen oder Kalauer aus seiner Zeit als Regieassistent im Berliner Ensemble 1957 zum Besten geben können.
Natürlich riefen die Lieder des Meisters die Anarchie des Zentralquartetts zur Ordnung, es wurde seine Back-up-Band. Baby Sommer packte die Besen aus und strich cool wie ein Loungeswinger über seine Snare Drum, Gumpert wurde Barpianist. Sommer ist exquisit mit allem, was Geräusch macht. Am Ende zeigte er bei der zweiten Zugabe, wie man einen Eimer voll wild gemischter Metallteile taktgenau, immer wieder und im Dienste der Dichtung auf die Bühne krachen lässt. Biermann erinnerte daran, wie er in seinen Berufsverbotsjahren in der Chauseestraße 131 mit Sommer an der konspirativen Keksdosentrommel seine Lieder aufnahm. Die war voll mit Spielzeugautos seiner diversen Kinder ("die hatte ich schon damals viele") und machte ein erstaunliches Snare-Geräusch. Im Westen hätten sie in den Studios versucht, diesen "geilen Sound" zu imitieren, erzählte Biermann. Dann fiel der wunderbar pointengetimte Satz: "Also, ihr seht, es war eben nicht alles schlecht in der DDR."
Gelächter, Beifallsstürme. Ach, das macht ihm keiner nach. "Frühzeitig hat man mich geehrt/ Nachttöpfe auf mir ausgeleert/ Die Dornenkrone mir verehrt/ Ich hab sie liegen lassen". So sang Biermann und bog die Balken. Dornenkronen, die ihm standen, hat er immer gern getragen. Ein bisschen Blut im Gesicht konnte nie schaden. Er ist furchtlos und schamlos, die Welt dreht sich um ihn und soll das gefälligst wissen.


Manchmal plaudert sich Biermann, der Obrigkeit wie uns andere sämtlich duzt, aus der feinen Unverschämtheit in die Peinlichkeit. Auch darauf ist Verlass. Im Berliner Ensemble gelang ihm das, als er einen hohen polnischen Würdenträger erst grob anredete ("Wo ist denn der Oberpole?") und dann aufklärte, dass seine Nationalhymne "Noch ist Polen nicht verloren" ja nicht gerade ein Hurra-Gesang sei. Eins in die Fresse, mein Herr, nett gemeint. Aber immer, der Biermann ist halt der Biermann.
Zwei Stunden ging das, und die Bravorufe und Applausstürme, stehend, hatten sie alle verdient. Wolf Biermann hatte vermocht, was er am besten kann – ermutigend zu unterhalten. Er hatte die Deutschen im Saal stolz gemacht auf ihn, ihr Land und die Besten der DDR. Ohne das Zentralquartett, das jedes Pathos verlässlich zerspielt, wäre es die einst übliche Biermann-Huldigung geworden. Es ist recht still geworden um den großen Puppenspieler, der so gerne die Verhältnisse nach seinem Willen tanzen ließ.
"Glückwunsch, toll wart ihr", rühmte Norbert Lammert die Künstler im Foyer. Biermann badete grinsend in all dem Liebesschaum. "Du kannst ja fast alle meine Texte auswendig", sagte er zu Joachim Sauer, dem Ehemann der Kanzlerin, und tippte ihm mit dem Finger auf die Brust. Dann lehnte er sich in die Kamera des ZDF: "Biermann und Avantgarde-Jazz, dass das zusammengeht! Es hätte auch, wie man so sagt, in die Hose gehen können." Gab Autogramme, plauderte mit Bewunderern. Biermann genoss Biermanns Triumph, geschah ihm recht. Und uns.
 

Pressestimmen zu Wolf Biermann & Pamela Biermann

Auszüge

 

 


DIE WELT, 14.11.2013
Hamburg. „Das Konzert mit dem Titel "Ach, die erste Liebe…" von Pamela und Wolf Biermann im Thalia Theater war wie ein großer, universaler Liebesakkord, der die Herzen des Publikums ergriff....“

 

Ludwigsburger Kreiszeitung, 21.1.2013
„ Hier der oft temperamentvolle Künstler, dort die besonnene, etwas kühle Hamburgerin – manchmal ergeben, manchmal auch korrigierend wirkend und insgesamt doch wieder eins. Harmonisch eben, wie der gesamte Abend.
“

 

SWR, 21.1.2013
„Etwas Anarchisches liegt in der Luft bei diesem Konzert, gepaart mit kontrollierter Stringenz, Flirt und Kühle. Eine künstlerische Form der Dialektik – dialektisches Prinzip der Kunst. Hier wird (natürlich) nicht eingelullt, sondern wach gestaltet, mitgerissen und kritisch hinterfragt. Die Kraft von Musik, von Wort und Dichtung und die Kraft der theatralischen Gestaltung finden zusammen. Bravo! Wolf und Pamela Biermann haben das Ideal des gemeinsamen Singens, jenseits des Kunstliedes, sehr schön, ja idealtypisch eingelöst.“

 

Mittelbadische Presse, Juni 2013
„Wolf und Pamela Biermann zeigten sich als kongeniales Gesangspaar mit viel Gespür.
Biermann bleibt dabei immer auch Biermann, selbst dann, wenn er Harry Belafontes »Banana Boat Song« anstimmt. Seine Betonung ist unverwechselbar, er gurrt und gluckst, peitscht zornige Verse heraus, überrascht mit schelmischen, manchmal auch zärtlichen Zwischentönen. Pamela Biermann entpuppt sich als wunderbare Partnerin, als manchmal fast lasziv agierende »Femme fatal«, die den extravaganten Vortragsstil mit sehr viel Gespür im Geiste einer großen Chansonette transportiert.“

 

Südkurier, 4.11.2013
„Wer nun annimmt, dass der alte graue Wolf die Bühne beherrscht und seine ein Vierteljahrhundert jüngere Frau als attraktive Backgroundsängerin einfach so mit dabei hat, wird schnell vom Gegenteil überzeugt. Es ist Pamela Biermann, die mit ihrer souveränen Brecht-Stimme weitgehend den Ton angibt (...) Der Kontrast der beiden Stimmen könnte nicht besser passen zu den rührenden, schauerlichen oder aber auch liebevollen Balladen.“

 

NDR INFO 11/ 2013
„ Das Herz zerspringt und zerreißt bei den Liebesversprechen und Liebesleid, wenn man diesen Beiden lauscht..“

 

NDR Klassik a la Carte 11/ 2013
„ Zwei Dahinschmelzende“

 

Oberhessische Presse, 1.12.2013
„EINFACH ORIGINELL, DIESES BIERMANN-DUO
„Ach, die erste Liebe“, und die Politik. Wenn Wolf Biermann ankündigt, mit seiner Frau ein Programm mit LiebesLiedern zu singen, dann erwarten seine Anhänger dennoch mindestens politische Untertöne. Sie wurden nicht enttäuscht.“

 

Thüringische Landeszeitung, 20.11.2013
"Sieben Rosen hat der Strauch" - mit einer Hommage an Bertolt Brecht eröffnete Wolf Biermann den Abend, der nach anderthalb Stunden mit der Vertonung eines Gedichts des "Salon-Stalinisten" Louis Aragon noch nicht enden sollte. Denn das begeisterte Publikum forderte Zugaben.(...)

Der Dichter und Konzertmeister Wolf Biermann betrachtet die Liebe nicht als Privatangelegenheit, sondern zeigt die Liebenden im großen Welttheater. (...)Schön, wie dabei die Biermann-Herzen im Akkord schlagen.“

Der doppelte Biermann

Kritik zur CD " Ach, die erste Liebe...."

WELT AM SONNTAG 27.10.2013

 

Musikalische Streitgespräche sind ihre Spezialität: Das Ehepaar Biermann gibt im Thalia Theater ein einmaliges Konzert

 

Wolf Biermann gibt zum ersten Mal in Hamburg gemeinsam mit seiner Frau Pamela ein Konzert im Thalia Theater. Geübt hat das singende Ehepaar – seit 30 Jahren sind die beiden zusammen – nicht nur heimlich im Wohnzimmer in Altona sondern auch öffentlich: bei zwei umjubelten Auftritten im Berliner Ensemble. Dennoch hat das Hauptstadtpublikum beim neuen Programm das Nachhören. Denn das Hamburger Konzert lehnt sich stark an die aktuelle CD des Biermann-Duos an, die in Berlin erst Anfang Dezember vorgestellt wird.


"Ach, die erste Liebe ..." heißt der Abend und trägt damit den gleichen Titel wie die Platte. Beide sind nach dem populärsten Lied des russischen Dichters und Regimekritikers Bulat Okudshava (1924-1997) benannt, das Wolf Biermann Anfang der 80er-Jahre übersetzte. Nun ist es das gefühlt schönste Lied auf der neuen CD und im Duett mit Frau Pamela auch wieder ein ganz neues Lied. Überhaupt handeln die meisten Lieder dieser Heimstudio-Einspielung von der Liebe. So stellt der Dichter der Platte das Gedicht für seine Frau und Muse Pamela voran "Am Anfang war das Wort? – Ach was!/ Am Anfang war der Kuß – Danach/ Kam erst das Wort, das Lied im Licht./ Und meine Schöne singt so schön,/ Daß mir vor Lust! Das Herze bricht."


Einen frischen, erfrischenden Klang haben alle 21 – meist im Duett, einige als Solo – eingespielten Chansons und Lieder. Denn Pamela Biemann singt nicht nur ausgezeichnet, sie hat auch eine sehr schöne Altstimme. Mit der singt sie sozusagen geradeaus, und setzt damit dem durch alle dramatischen Effekte röchelnden, flüsternden, lärmenden, schreienden und ja, auch gewaltig singenden Wolf Biermann etwas entgegen, das standhält. Und im gleichberechtigten Zusammenspiel der Geschlechter, im wechselvollen Zusammenklang entsteht daraus jedes mal ein neues Lied.


"Konzert, also lateinisch concertare, bedeutet ja zusammenwirken, übereinstimmen. Aber auch genau das Gegenteil: con - zusammen, certare - streiten, bedeutet also auch wetteifern, sich streiten!", sagt Wolf Biermann. Bisher stritt des Liedermachers Gesang auf der Bühne höchstens mal mit der Gitarre oder dem Klavier. Auch auf der Bühne des Lebens ist Biermann streitbar geblieben, seit er als Staatsfeind Nummer eins im Jahre 1976 von der Staatsführung der DDR ausgebürgert wurde.


Einige vergleichsweise verspielte, musikalische Streitgespräche – häufig genug mit konkretem politischen Bezug – sind nun hinzugekommen, auf Platte verewigt und werden am 13. November im Thalia Theater verlebendigt. Alle Lieder sind Übersetzungen von berühmten Liedermachern und Chansonniers aus aller Herren Länder. Vom Franzosen Charles Brassens (1921-1981) erklingt, anarchistisch-schwarzhumorig, "Der schlechte Ruf" mit der in jeder Strophe abgewandelten Refrainzeile "Aber die Spießer mögen es nie, wenn einer anders...", ergänzt um "lebt, bläst, klaut" oder schließlich "stirbt... als sie". Der berühmte Dichter steuert auch das Chanson "Geile Spießer" bei und zum Ausklang der CD "Glückliche Liebe". In letzterem wird die Frage, ob es letztere nun gibt oder nicht, endgültig geklärt.


Der Streifzug, den die Biermann & Biermann, Lieder und Chansons KG durch die weite Welt der tradierten Lieder unternimmt, führt mittels Antikriegsballade nach Irland ("Johnny, nun liegst du so da" nach "Johnny, I Hardly Knew Ya") und nach England "Ich weiß, wo ich hingeh" nach "I Know Where I'm Going", das Biermann übersetzte, nachdem Joan Baez es ihm 1966 bei einem Besuch in der Chausseestraße in Ostberlin nahegebracht hatte. Andere Klassiker brachte der Dichter aus dem Schwedischen, Lettischen und Französischen ins Deutsche. Und auch jiddische Lieder erklingen: "Bei mir biste schejn" in Biermanns Fassung zum Beispiel, das im Musical-Original von 1933 "Bay mir bistu sheyn" in New York als Duett von einem Liebespaar gesungen wurde. Oder "Mag sein, dass ich irre" nach dem Lied von Yoseph Papiernikov mit den Zeilen "Wir haben uns selber am schlimmsten von allen/ Verraten, verkauft und blutig genarrt/ Und doch sind nicht all meine Träume, die roten/ Mit all unsren Toten verreckt und verscharrt". Die Pariser Kommune taucht nicht nur in diesem Lied auf, auch das berühmte Lied der Revolutionäre von 1871 " Le temps des cerises" ("Zeit der Kirschen") selbst singen die Biermanns. Ursprünglich fünf Jahre vor der Kommune als Liebeslied geschrieben, wurde bei der "politischen Metamorphose", so Biermann, "am Schnulzen-Text kein Wort geändert."


Zwei lockere satirische Beiträge heitern das Programm auf: Der traditionelle karibische "Calypso" nach Harry Belafonte, der der Frage nachgeht: "Ich löcherte mein' Vadder noch un noch: Wie is dis nu mit den Klapperstoch?!" sowie "Klein Abraham" des jiddisch-polnischen Poeten und Komponisten Mordechaj Gebirtig, dessen Protagonist bekennt: "Ich bin Klein Abraham, der schnellste krumme Finger/ Künstler bin ich, dreh die dollsten Dinger".


Ausgesucht hat Pamela Biermann das Programm aus mehreren hundert Stücken, die ihr Mann im Lauf von 50 Jahren übersetzt und damit neu gedichtet hat. Denn mit Liedern, die von Biermann übersetzt werden, verhält es sich wie mit Büchern, die Harry Rowohlt aus dem Englischen in Deutsche überträgt: Sie werden in aller Regel besser als das Original. Deshalb heißen sie im Untertitel des Buches "Fliegen mit fremden Federn" (Hoffmann und Campe"), in dem sie jetzt gesammelt vorliegen, zutreffend "Nachdichtungen und Adaptionen".


Wolf Biermann & Pamela Biermann: "Ach, die erste Liebe ...", Konzert im Thalia Theater, 13. November, 20 Uhr

HAMBURGER ABENDBLATT / Konzert Thalia Theater

15.11.13, 06:06
Verliebt, verlobt, verheiratet, vertont
Das singende Ehepaar Wolf und Pamela Biermann begeistert im Thalia Theater mit Chansons und Liebesliedern aus aller Welt

 

 

15.11.13, 06:06
Verliebt, verlobt, verheiratet, vertont
Das singende Ehepaar Wolf und Pamela Biermann begeistert im Thalia Theater mit Chansons und Liebesliedern aus aller Welt
Von Stefan Grund
Hamburg. Das Konzert mit dem Titel "Ach, die erste Liebe…" von Pamela und Wolf Biermann im Thalia Theater war wie ein großer, universaler Liebesakkord, der die Herzen des Publikums ergriff. Dieser Liebesakkord entsteht, wenn das Ehepaar gemeinsam singt, von seinem Klavier- oder Gitarrenspiel begleitet. Er umfasst Dur und Moll, kennt jedes Spannungsverhältnis, jede Harmonie und kneift vor keiner Septime. Er durchpulst die Rhythmen von Liebe und Leid, von Ernst und Albernheiten. Und sängen die beiden nur zu Hause in Altona im Wohnzimmer die schönen Chansons und Lieder von Georges Brassens ("Glückliche Liebe, die gibt's nie"), Bulat Okudschawa und Volkslieder aus aller Herren Länder in Wolf Biermanns Übersetzung, dann wäre der Akkord zwar immer noch liebevoll, aber fürs Universale braucht er eben das Konzertpublikum: All die Liebes- und Ehepaare inklusive ihrer Schnittmenge, all die einsamen Herzen und die Herzensbrecher, all die Verlassenen und Frischverliebten. Viele Prominente besuchten mit ihren Partnern das Jubiläumskonzert zum Kölner Konzert vom 13. November 1976, in dessen Folge Biermann aus der DDR ausgebürgert wurde: Ex-Bürgermeisterin Christa Goetsch (Grüne) und Ehemann Karlheinz waren vom Reigen der "Liebeslieder vor politischer Landschaft" (Wolf Biermann) ebenso begeistert wie Ex-Kultursenatorin Karin von Welck.
Auch Thomas Mirow, Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank, Unternehmer Michael Otto und Frau Christl sowie Birgit Breuel und Ehemann Ernst kamen, sahen und lauschten gebannt. Nach dem Konzert luden Unternehmer Klaus-Michael Kühne, einst Klassenkamerad und Klassenfeind Wolf Biermanns in der Heinrich-Hertz-Schule, heute nach eigenem Bekunden sein Klassenfreund, und seine Frau Christine gemeinsam mit dem Ex-NDR-Intendanten Jobst Plog und Frau Ines sowie Sigrid Berenberg und ihrem Mann Dieter Putzier zum Empfang im Rangfoyer.
Intendant Joachim Lux, seit der Abiturzeit Biermann-Fan, begrüßte die Gäste, unter ihnen Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt und Frau Cornelia, Hamburg-Süd-Chef Ottmar Gast und Frau Margot. Auch Irene und Gerd Schulte-Hillen (Deutsche Stiftung Musikleben), Filmfestchef Albert Wiederspiel, Schauspieler Burkhart Klaußner und die Altonaer Bezirksamtsleiterin Liane Melzer diskutierten angeregt einen großen künstlerischen Abend.

Von der Liebe in Zeiten des Krieges

Das Sänger- und Ehepaar Wolf und Pamela Biermann begeistern im Stadttheater Konstanz mit Liedern aus aller Welt

SÜDKURIER 4.11.2013

 

Es muss ein wahres Schatzkästchen sein, jenes „faustdicke“ Buch „Fliegen mit fremden Federn“, in dem Wolf Biermann poetische Kleinodien aus verschiedenen Jahrhunderten im Laufe von 50 Jahren gesammelt und aus dem Schwedischen, Russischen, Jiddischen, Englischen und Französischen in ein singbares Deutsch gebracht hat. Einige davon hat Biermanns Frau Pamela ausgewählt und zusammen mit ihrem Mann auf die neue CD „Ach, die Liebe“ gepresst. Und mit diesem Programm ist das Ehepaar Biermann nun deutschlandweit unterwegs, so auch im Stadttheater Konstanz.

 

Wer nun annimmt, dass der alte graue Wolf die Bühne beherrscht und seine ein Vierteljahrhundert jüngere Frau als attraktive Backgroundsängerin einfach so mit dabei hat, wird schnell vom Gegenteil überzeugt. Es ist Pamela Biermann, die mit ihrer souveränen Brecht-Stimme weitgehend den Ton angibt, während sich ihr Mann als virtuoser Begleiter an Gitarre und Klavier, als Zwischenrufer, Brummler, Jauchzer oder einfach nur als kongenialer Kontrapunkt unterordnet.

 

Der Kontrast der beiden Stimmen könnte nicht besser passen zu den rührenden, schauerlichen oder aber auch liebevollen Balladen. Da gibt es ätzende Kritik am ewigen Spießer (George Brassens), die Irrungen und Wirrungen der Liebe, insbesondere in Zeiten des Krieges oder schließlich die Warnung vor der Idylle der Blaublümeleinwelt des schwedischen Dichters Nils Ferlin.


Biermann fühlt sich darin erinnert an die Segnungen des Arbeiter- und Bauernparadieses, an die dem Untergang geweihte Insel der vermeintlich Glückseligen.

 

Man sieht und hört den beiden an, dass sie sich mit viel Liebe und Vergnügen um die Pflege dieser Kunstlieder kümmern und mit viel Leidenschaft alle Nuancen ausspielen. Zwischen den Stücken macht sich Biermann an den Einstellungen seines Gitarrenhalses zu schaffen, während er feinsinnige Einführungen in die nächsten Lieder gibt.

 

So erzählt er etwa kenntnisreich, wie Jean-Baptiste Clémantes Liebeslied „Zeit der Kirschen“ zum trotzigen Kampflied der Pariser Commune geworden ist. Seine Frau, groß und souverän neben ihm, kommentiert oder korrigiert mimisch die Moderationen. Das Programm ist dramaturgisch geschickt ausgewählt, todtraurige Songs („König Renaud“) wechseln sich ab mit Humoresken wie dem jiddischen Liedchen von Abraham dem schnellsten aller krummen Finger. Auf leise Lyrik folgen schräge Jazz-Elemente oder eine wunderbare Parodie auf Harry Belafontes Calypso, die spontanen Zwischenapplaus einbringt. Auch ein Klassiker wie „Bay mir bistu sheyn“ hat man so noch nie gehört.

 

Beglückt, sichtlich beeindruckt und beseelt entlässt Biermann sein Publikum in die Konstanzer Novembernacht, nicht ohne vorher noch augenzwinkernd in einem „Geschäftsgespräch“ Buch und CD werbewirksam anzupreisen.

Biermann Songs über die Liebe

Wolf Biermann und Pamela Biermann im Konzert

Ludwigsburger Kreiszeitung

 

21. Januar 2013
Ludwigsburger Kreiszeitung
von Armin Bauer
Biermanns Songs über die Liebe

Liedermacher präsentiert in Esslingen zusammen mit seiner Frau Pamela internationale Poesie

VON ARNIM BAUER
ESSLINGEN.
Biermann, früher stets als Solokünstler auf der Bühne, hat für das Programm „Ach, die erste Liebe“ Verstärkung mitgebracht. Seine Frau Pamela, mit der er seit 1989 verheiratet ist, singt mit ihm zusammen. Nicht die bekannten Songs aus der Feder des Mannes, der einst durch die Ausbürgerung aus der DDR Schlagzeilen machte, sondern Lieder aus einem Werk, das er als Dichter unter dem Titel „Fliegen mit fremden Federn“ veröffentlicht hat. Lieder, deren erste Gemeinsamkeit es ist, dass Biermann sie aus einer fremden Sprache ins Deutsche übertragen hat. Und so ist es ein Abend internationaler Poesie. Aus dem französischen kommen die Texte von George Brassens oder Louis Aragon. Bei Letzterem wird Biermann deutlich. „Ein Schweinehund“ sei der gewesen, ein großbürgerlicher Stalinist, der die Verbrechen Stalins leugnete und jeden aus seinem Herrschaftshaus warf, der davon sprach. Aber „lieber ein schönes Gedicht von einem Schweinehund und als ein schlechtes von einem Gutmenschen“ macht er auf den Zwiespalt aufmerksam.
Russische Lieder sind dabei, von Bulat Okudshawa, im Schwedischen hat er bei Nils Ferlin gewildert. Natürlich sind es nicht einfach nette Liebeslieder. Sie handeln auch von der Liebe und dem Sterben im Krieg. So sind jüdische Dichter dabei, wie der „Brassens des Ostens“, Mordechaj Gebiritg. Jossi Papiernikoff kommt zu Wort und der schottische Dichter Robert Burns darf nicht fehlen, als ein Poet längst vergangener Zeit mit aktuellen Versen.
Biermann trägt das in seinem bekannten Stil vor, der tiefer in deutschen Musiktraditionen wurzelt, als die mehr von angloamerikanischen Folksongs oder französischen Chansons beeinflussten Kollegen. Hier kommt die ostdeutsche Tradition hervor, die Biermann klanglich eine Ausnahmestellung verleiht. Stimmlich ist der 76-Jährige bestens drauf.
Was aber den Abend veredelt, ist das Mitwirken seiner Frau Pamela. Sie, die Autodidaktin, was das Singen anbelangt, gibt dem Abend Würze und Überraschungen. Wenn sie mit ihrer kräftigen, zwischen Alt und Mezzosopran angesiedelten Stimme singt, dann bekommen viele Lieder noch einmal eine ganz andere Färbung. Egal ob im Duett des Paares oder Solo, sie meistert die Aufgabe bravourös. Und sie ergänzt sich mit Biermann hervorragend in der Performance. Ein Paar, das sich einig scheint, ein Paar, das aufeinander ein- und zugeht. Hier der oft temperamentvolle Künstler, dort die besonnene, etwas kühle Hamburgerin – manchmal ergeben, manchmal auch korrigierend wirkend und insgesamt doch wieder eins. Harmonisch eben, wie der gesamte Abend.
 

SWR2: Pamela und Wolf Biermann Konzert

SWR2 Cluster 

 

21.1.2013
Burkhard Egdorf, SWR2 Cluster:
nachzuhören unter

http://www.swr.de/swr2/musik/-/id=661124/1nhi0mr/index.html
Der Liedermacher Wolf Biermann war immer Einzelkämpfer, ein beredter, wort- und stimmgewaltiger Künstler, zumeist mit der Gitarre in der Hand. Nun steht er mit seiner Ehefrau Pamela Biermann, mit der er schon dreißig Jahre zusammen ist, gemeinsam auf der Bühne. Sie „Fliegen sie mit fremden Federn“ will sagen: sie reisen mit Liedern aus aller Welt, Nachdichtungen und Neuinterpretationen wie Wolf Biermann sie in sein singbares Deutsch gebracht hat, durch die Welt. Das Programm „Ach, die erste Liebe“ hatte am Berliner Ensemble im vergangenen September Premiere. Es folgten Auftritte in Wien, Zürich und Basel und vergangenen Samstag im Schauspielhaus in Esslingen.
Wolf Biermann tritt wie immer ein wenig scheu-schelmisch, scheinbar etwas tapsig, unbescheiden-bescheiden, selbstbewusst, geblendet vom Scheinwerferlicht, aber mit Durchblick auf. Seine Gitarre ist immer dabei – diesmal auch ein Klavier, das er erstaunlich oft wählt und doch immer und unverkennbar im eigenen Duktus einsetzt, widerborstig zwar aber ihm gefügig, ironisch, hart, verspielt, witzig, treffend – immer kommentierend, mal vorauseilend, mal retardierend , dann dazwischen fahrend.
In Biermanns Gitarrenspiel mischen sich Bach und Flamenco, Blues und mittelalterliches Organum. Die Stimme so kraftvoll, virtuos, deutlich und vernuschelt, parodistisch und emphatisch wie immer. Pamela Biermann überragt ihren Mann um Haupteslänge. Selbstbewusst steht sie vor dem Mikrofon, immer – vom Publikum aus betrachtet – rechts von ihrem Mann, der auch auf der Bühne als Partner, Ehemann behandelt wird. Eine Liebe auf der Bühne, anrührend, ironisch, spielerisch und vertraut. Pamela Biermann hat noch nie zuvor auf der Bühne gestanden. Man mag es kaum glauben. Sie hat eine starke Ausstrahlung und eine klare, volltönende Stimme. Sie füllt aus, was sie singen möchte. Sie trifft den Ton jeder Dichtung, die Stimmung, und sie trifft die Töne – ohne eine Spur von Unsicherheit. Der Gesangspart des Abends ist durchaus gleichberechtigt verteilt – mal im Wechselgesang, mal sich kommentierend, mal solistisch.
Etwas Anarchisches liegt in der Luft bei diesem Konzert, gepaart mit kontrollierter Stringenz, Flirt und Kühle. Eine künstlerische Form der Dialektik – dialektisches Prinzip der Kunst. Hier wird (natürlich) nicht eingelullt, sondern wach gestaltet, mitgerissen und kritisch hinterfragt. Die Kraft von Musik, von Wort und Dichtung und die Kraft der theatralischen Gestaltung finden zusammen. Bravo! Wolf und Pamela Biermann haben das Ideal des gemeinsamen Singens, jenseits des Kunstliedes, sehr schön, ja idealtypisch eingelöst.

Wolf Biermann und Pamela Biermann

Konzert

 

Wolf Biermann und Pamela Biermann

„Ach, die erste Liebe ....“

 


Den Biermann und seine Lieder zur Gitarre - das kennt man. Aber Biermann im Konzert mit seiner Frau Pamela – das ist eine ganz andere Nummer! Der Dichter und seine Muse singen Lieder aus mancher Welt, poetische Kostbarkeiten, die Biermann im Laufe der letzten 50 Jahre in sein singbares Deutsch gebracht hat.
Die meisten Lieder erzählen vom Spiel der Geschlechter im Frieden wie im Krieg. Und etliche Songs und Chansons handeln auch vom Krieg im Spiel der Geschlechter, so, wie Bulat Okudshavas, „Ach, die erste Liebe ...“ der Titelsong des Abends.
Tja, die Liebe – sie war und bleibt in allen Sprachen das interessanteste Thema, sie liefert in immer neuen Variationen das Erregende: Das erotische Glück in kleiner privater Idylle, aber auch die Tragödie von Romeo und Julia: also der Kuß der Liebenden in politischer Landschaft.
Im Programm finden sich berühmte Titel wie „Glückliche Liebe - Il n´y a pas d´amour heureux...“ von Louis Aragon – und dazu passend das romantische Chanson der Revolution in Paris „Le Temps des Cerises / Die Zeit der Kirschen“. Kaum bekannte Kostbarkeiten erklingen, wie die alte brutalkomische englische “Ballade von Johnny Sand und Betsy Bucht“ und das zauberzarte „I know where I´m going“. „Die Spießer“ von Georges Brassens, der Liebeskummer des „König Renaud“ und die Liebessehnsucht des ruppigen alten Mannes in der Ballade von Robert Burns. Menschenlieder von Nils Ferlin aus Schweden im sachten Ton wie „Blaublümelein“, dagegen die lebensdralle amerikanische Ballade vom „Spieler und seiner Zuckerpuppe“. Das Antikriegslied „Johnny I Hardly Knew You“ hört sich an wie blutige Zukunftsmusik aus der Vergangenheit. Ein keck-alberner Calypso übers Kinderkriegen von Harry Belafonte aus Amerika und Mordechai Gebirtigs jiddischer Gauner „Klein Abraham“ wird vorgestellt. Und das weltberühmte Judenlied aus New York: „Bei mir biste schejn!“ - Biermanns Version.

„Biermann trägt das in seinem bekannten Stil vor, der tiefer in deutschen Musiktraditionen wurzelt, als die mehr von angloamerikanischen Folksongs oder französischen Chansons beeinflussten Kollegen. Hier kommt die ostdeutsche Tradition hervor, die Biermann klanglich eine Ausnahmestellung verleiht. Stimmlich ist der 76-Jährige bestens drauf. Was aber den Abend veredelt, ist das Mitwirken seiner Frau Pamela. Sie, die Autodidaktin, was das Singen anbelangt, gibt dem Abend Würze und Überraschungen. Wenn sie mit ihrer kräftigen, zwischen Alt und Mezzosopran angesiedelten Stimme singt, dann bekommen viele Lieder noch einmal eine ganz andere Färbung. Egal ob im Duett des Paares oder Solo,
sie meistert die Aufgabe bravourös.“ Armin Bauer, Ludwigsburger Kreiszeitung

Etwas Anarchisches liegt in der Luft bei diesem Konzert, gepaart mit kontrollierter Stringenz, Flirt und Kühle. Eine künstlerische Form der Dialektik – dialektisches Prinzip der Kunst. Hier wird (natürlich) nicht eingelullt, sondern wach gestaltet, mitgerissen und kritisch hinterfragt. Die Kraft von Musik, von Wort und Dichtung und die Kraft der theatralischen Gestaltung finden zusammen. Bravo! Wolf und Pamela Biermann haben das Ideal des gemeinsamen Singens, jenseits des Kunstliedes, sehr schön, ja idealtypisch eingelöst.“ Burkhard Egdorf, SWR2

 

 

 

 

 Wolf Biermann & Pamela Biermann

       Ach, die erste Liebe
 

Hommage an Frau W. und Herrn B.: Sieben Rosen ...
Bulat Okudshava: Ach, die erste Liebe ...
Alexander Pope / Biermann: Von den Menschen
Jean-Baptiste Clement /A. Renard: Zeit der Kirschen
Georges Brassens: Geile Spießer
Georges Brassens: Mein schlechter Ruf
Nils Ferlin: Schnulze aus Schmalz
Nils Ferlin: Blaublümeleinwelt
Nils Ferlin: Und traurig macht das Leben
trad. engl.: Johnny, nun liegst du so da
trad. lettisch: Zwei graue Tauber
trad. französisch (13. Jahrh.): König Renaud
Nils Ferlin: Nicht mal einen kleinen grauen Vogel
Robert Burns / Biermann.: Ich bin meiner Mutter ihr ...
Robert Burns: Mein Liebchen ist noch halb ein Kind
Jossi Papiernikoff/Biermann: Mag sein, dass ich irre
Mordechaj Gebirtig: Klein Abraham
trad engl. / Biermann: Ich gammel rum als Spieler
trad.engl.: Ich weiss, wo ich hingeh
trad. amerik.: Johnny Sand & Betsy Bucht
trad. Karibik / Harry Belafonte: Calypso
Jacob Jacobs / Shalom Secunda: Bei mir biste schejn...

Louis Aragon / Brassens: Glückliche Liebe
 

Pamela Biermann VITA

 

Pamela Biermann
wurde 1963 in Hamburg geboren. Als Sängerin trat sie im Herbst 2012 erstmals öffentlich auf.

Aus dem großen Fundus an Liedern, die Wolf Biermann aus mancher Welt ins Deutsche gebracht hat, suchte sie sich die schönsten raus. „ Ach, die erste Liebe...“ lautet der Titel des Abends, den die beiden u.a. in Berlin, Wien, Zürich und Basel präsentierten: Ein Abend mit Liedern, die noch schöner klingen, wenn Mann und Frau sie im Wechselspiel zusammen singen, so wie es Wolf und Pamela Biermann im Privatem seit vielen Jahren tun. „Die Liebe – sie war und bleibt in allen Sprachen das interessanteste Thema, in immer neuen Versionen das Gleiche: Der Kuß von Romeo und Julia – die Liebenden in großer politischer Landschaft.“

CD¬ Veröffentlichungen: Ach, die erste Liebe (2013) das sind Chansons und Lieder aus mancher Welt, ins Deutsche gebracht von Wolf Biermann. SWR: “Die Kraft von Musik, von Wort und Dichtung und die Kraft der theatralischen Gestaltung finden zusammen. Bravo! Wolf und Pamela Biermann haben das Ideal des gemeinsamen Singens, jenseits des Kunstliedes, sehr schön, ja idealtypisch eingelöst“ ( B. Egdorf SWR Cluster)

In Zusammenarbeit mit RBB Kulturradio sangen Pamela Biermann und Wolf Biermann mit dem ZENTRALQUARTETT die CD "… paar eckige Runden drehn!" (2016) ein, auf der zum ersten Mal Biermanns Lieder mit dem Jazz zusammen kamen.
 



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